Deshalb braucht man einen Aufhellblitz

Ich denke mal das ist ein ganz gutes Thema um anzufangen, da es auch schon auf Englisch viel Zuspruch fand. Warum es hier bei uns so ein Tabu-Thema ist, bleibt mir ein ziemliches Rätsel.

Ich persönliche denke, dass man sich viele Chancen entgehen lässt, wenn man nicht blitzt. Immer wieder muss ich mir Kommentare anhören, dass man solche Ergebnisse auch mit Tiefen/Lichtern in Photoshop oder anderen Methoden erreichen könnte, aber das halte ich für eine sehr gewagte These und würde es gerne mal vorgemacht bekommen. Ich bin mir zu 100% sicher, dass das geblitzte Bild deutlich besser sein wird.

Wenn ich von Blitzen spreche rede ich nicht vom Blitz als Hauptlichtquelle, sondern von einem Aufhellen durch den Blitz. Dieser unterstützt mich also in schwierigen Situation. Grade an bewölkten Tagen oder im Schatten, aber auch bei hartem Sonnenlicht vollbringt ein Blitz oft Wunder. Ich persönlich habe so schon viele Bilder machen können, in Situationen, in denen ich sonst nach Hause gefahren wäre.

Eine gewisse Scheuchwirkung geht immer von einem Blitz aus, jedoch habe ich bisher nur sehr selten einen Vogel mit dem Blitz verscheucht. Wenn dies mal passiert ist dann meistens wenn ich 20-30 kleine Singvögel am Futterplatz hatte. Diese sind oft sehr vorsichtig und sobald einer hochfliegt fliegen alle weg. Im Allgemeinen kann man sagen, dass kleine Vögel sensibler reagieren als große. Ich würde allerdings sagen, dass in vielen Situationen auch das Auslösegeräusch oder das Bewegen des Objektivs den Vogel zum wegfliegen bewogen hätte. Was oft passiert ist, dass ein Vogel mal kurz hochguckt und dann wieder dem nachgeht, was er vorher getan hat. Dies ist aber eher ein positiver Effekt, da man so oft die besten Posen bekommt. 🙂

Für mich überwiegen die Vorteile klar und deutlich. Sei es im dunklen Schatten, oder wenn mand as Schillern eines Erpels hervorheben will, bei all dem hilft einem ein Blitz sehr. 🙂

Anbei nochmal ein paar Andere Beispiele, die Bilder sind unbearbeitet.

 Die Bilder sind immer direkt nacheinander entstanden. Die Unterschiede sind schon recht dramatisch wie ich finde.

doh

sab

Teil II

Da ich nun schon mehrfach gefragt wurde, wie das nun genau abläuft widme ich diesen Blogeintrag genauer dem Blitzen und dem Kameraset up.

Fangen wir mal beim Grundliegenden an. Zunächst braucht man einen Blitz, Kamera und Stativ. Nun aber zum entscheidenderen Teil. Wie befestige ich den Blitz auf der Kamera? Wie alles in der Fotografie, kostet auch dies wieder einiges…. :-\

Hier mal ein Bild meines kompletten Kameraset ups.

und hier noch einmal ohne Kamera.

Die Halterungen sind die so genannten Wimberley Flash Brackets. Ich habe auf Naturescapes einen Review geschrieben. Dort steht auch was man genau braucht. LINK

Um vom Stativ mit dem Wimberley Head II zu arbeiten braucht man folgende Sets:

  • Wimberley Combo 9
  • Wimberley M-6 Extension Post
  • Damit ist man fürs erste gut gerüstet. Was wir dann noch brauchen ist ein Better Beamer. Diese Fresnelscheibe bündelt den Blitzstrahl und verlängert die Reichweite massiv. Zudem wird dadurch viel weniger Energie verbraucht.  Better Beamer.

    Wieder $ 300 ärmer sind wir nun bereit. Es ist viel aber definitiv die einzige vernünftige Halterung. Ich habe schon andere Modelle gesehen und getestet und die waren nicht mal annähernd vergleichbar.

    ACHTUNG !!! Wenn ihr die Scheibe am Blitz lasst und ihn in die Sonne legt wird es bald qualmen…..denn die Scheibe funktioniert in beide Richtungen. Mein Blitz hat schon eine Verschmelzungen und angeblich haben sich Leute so schon ihr Auto abgebrannt….

    Kommen wir also nun zum interessantesten Teil. Den Blitzeinstellungen. Wie immer gibt es auch hier kein Allheilmittel oder die Wunderformel. Das meiste hängt vom richtigen Gespür in der richtigen Situation ab. Allerdings gibt es einige Grundregeln. Ersten muss der Blitz auf High Speed gestellt werden. Tut man das nicht und erreicht eine Verschlusszeit von über 1/250 kriegt man nur noch weiße Bilder. Also immer schön auf „H“ stellen. Checkt das bitte regelmäßig, nimmt man mal die Batterien raus oder sind sie leer ist die Einstellung weg und ggf das Bild des Lebens versaut 😉 Fragt mich bitte nicht wie oft ich das schon erlebt habe, Blitzen ist Segen und Fluch….

    Als nächstes wählen wir ETTL, so dass wir manuell unter bzw überbelichten können. Die Canon 1er Modelle haben ein cooles Feature. Wenn man den Blitz auf +/- 0 stehen lässt, kann man über den unteren der drei Knöpfe oben auf der Kamera den Blitz mit dem großen Daumenrad direkt steuern, ohne ihn anfassen zu müssen. Dies hat grade im Tarnzelt immense Vorteile. In der Kamera ist dann unter dem kleinen Pfeil für die Belichtungskorrektur ein weiterer kleiner Pfeil, der die Blitzkorrektur anzeigt. Weiß einer wie das bei den xxD und Nikon ist ? Geht es dort auch?

    Nun muss ich euch leider enttäuschen, Blitzen ist kein großes Geheimnis und jeder kann es…. Am Anfang empfehle ich immer den Blitz auf – 1 2/3 zu stellen. Damit liegt man schon mal in 85% der Fälle korrekt. Nach einiger Zeit des Probieren kriegt man ein Gespür dafür, welchen Wert man einstellen muss und was die richtige Dosierung für den Moment ist. Durch den Bildschirm hinten auf der Kamera sieht man ja auch immer sofort ob es passt oder nicht. Noch ein Rat, in der Morgen- oder Abendsonne den Blitz immer aus lassen. Selbst bei einer Einstellungen von -3 werden die Bilder furchtbar überblitzt aussehen.

    Wenn Ihr findet ein Blitz sieht zu geblitzt aus, dann einfach den Blitz auf -2 oder -2 1/3 stellen und schon wird ein deutlicher geringer Blitz sichtbar. Findet Ihr es könnte heller sein oder braucht mehr „pepp“ geht auf z.B -1. Alles über -1 also z-B -2/3 ist schon extrem. Bevor ich loslege schieße ich immer einige Bilder von meinen Ansitzen oder Locations, bis ich finde die Blitzstärke passt.

    Für mich ist ein Bild perfekt geblitzt, wenn es geblitzt ist, aber es niemand sieht. Denn das heißt ich habe die Vorteile des Blitzes voll ausgenutzt ohne zu übertreiben oder eine gewisse Unnatürlichkeit hervorzurufen. Aufgepasst bei z.B dunkelgrünen Hintergründen, durch die dann meist vorherrschende zu langsame Verschlusszeit für das eigentliche Motiv, überstrahlt es leicht und der Blitz verschlimmert es noch. Wenn man dies im Kopf behält stellt man den Blitz schnell etwas schwächer und es passt wieder. Das Problem tritt auch auf, wenn man stark unterbelichtet an der Kamera. Das lässt den Blitz auch viel stärker erscheinen.

    Ich benutze den Blitz in der Regel, wenn schwierige Lichtsituation vorherrschen, wie z.B starker Schatten, Bewölkung oder stärkeres Sonnenlicht. Der Blitz gleich in diesen Situationen das vorhandere nicht ideale Licht aus und gibt dem Bild eine tolle Ausgewogenheit. Grade bei bewölktem Wetter gibt es einem Bild den „pepp“ den es braucht. Zudem hilft er Zeichnung in dunkleren Gefiederpartien zu erhalten. Wie schon oben gesagt: Schönes Licht heißt kein Blitz. Bei wolkenfreiem Himmel bleibt der Blitz in der Tasche.

    Und nun noch ein paar Beispielbilder mit der jeweiligen Blitzstärke und Kameraeinstellung.

    Bild 1. Grauenhaftes Regenwetter…. Blitz – 1 2/3 Kamera +/- 0

    Bild 2. schon fast zu starkes 11 Uhr Vormittagslicht. Blitz -1 1/3 Kamera – 1/3

    Bild 3. Vor Sonnenaufgang  Blitz -2 Kamera +/- 0

    Bild4 . Extremer Schatten, sehr schwieriges schwarz/weiß Motiv. Alles oder nichts…. Blitz -2/3 Kamera -1/3 (wegen dem Weiß)

    Bild 5 gleiche Location wie der Kernbeißer, aber mit Sonne im HG, also mehr Blitz geben… – 1 1/3 Cam +/- 0

    Hoffe das hilft ein bisschen weiter. Wenn Ihr Fragen habt, stellt sie am Besten als Kommentar, dann kann jeder davon profitieren 🙂

    Gerne gebe ich mein Wissen auch auf einem kleinen „Blitzworkshop“ weiter 🙂 Persönlich kann man das meiste doch besser und ausführlicher erklaren

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    9 Antworten to “Blitzfotografie”

    1. Rainer Vogel said

      Hallo Herr Wegener,
      zunächst möchte ich ihnen gratulieren zu Ihrer bestens gestalteten Webseite.
      Sehr schöne Bilder und nützliche Info`s zum Blitzeinsatz. Ich erlebe es oft, dass Blitzeinsatz abgelehnt wird, wirklich schade um die entgangenen Bilder.
      Es wäre schön, wenn Sie auch in anderen Bereichen der Naturfotografie ihre Tips und Vorgehensweise an interessiert Leser weitergeben würden.
      Eine persönliche Frage sei gestattet: sind Sie professioneller Fotograf, denn die Güte der Bilder lässt das vermuten (Zeit und Aufwand).
      Beste Grüße
      Rainer Vogel

      • JC said

        Vielen Dank für die netten Worte.
        Ich werde in Zukunft noch viele nützliche Tips posten
        sagen wir mal so, ich betreibe die Vogelfotografie auf professionellem Niveau. Momentan studiere ich aber noch 🙂

    2. Peter Becker said

      Hallo Jan!

      Wie sieht es denn mit dem Kamera-Einstellungen aus? Ist die Kamera für solche Blitzeinstellungen auf Manuell oder auf Zeitautomatik eingestellt? Ich verstehe noch nicht den genauen Zusammenhang bzw. finde ich es schwierig an meiner Canon. Bei Zeitautomatik + 580EX zeigt sie immer an, dass das Motiv vollkommen unterbelichtet ist und wählt mir enorm lange Verschlusszeiten. Wie kann man die Kamera mit dem Blitz kooperieren lassen? (580EX ist auf TTL2 eingestellt.)

      Vielen herzlichen Dank und Grüße!
      Grandiose Website. Wo bleibt ein Bildband in der Mayersche von dir? 😀

      LG, Peter

    3. jessi klein said

      große klasse die fotos!

    4. Ralf Grumbulski said

      Moin ans andere Ende der Welt!

      Deine Blitzfotografie ist weltbewegend ! Ich bin schwer beeindruckt von deiner Arbeit.
      Was mich interessieren würde sind Deine Exif Daten.Meine Bilder werden durch das Blitzen im Hintergrund zu dunkel und wenn ich die Belichtung verlänger ist mir zuviel Bewegungsunschärfe im Bild!
      Schönen Gruß Ralf

      • JC said

        Hallo Ralf,
        Da hilfts dann wohl nur die ISO hochzudrehen, um mehr Verschlusszeit zu bekommen. Was hast du denn für Verschlusszeiten? Ich habe ungern weniger als 1/400 wenn ich Vögel fotografiere.

      • Ralf Grumbulski said

        Moin Jan,
        ich hab grade mal im meinen Bildern nachgesehen,ich hab zwischen 1/125-1/500 sek.und bin meistens bei iso 400-1600 !
        Fotografierst Du auf M ? ich finde die Lichtverhältnisse wechseln immer zuschnell um da die Passende Belichtung hinzubekommen.
        Ich hab mir angewöhnt auf Zeitautomatik „S“ ab 1/250sek einzustellen.Bei einer Brennweite von 1200mm KB brauch man schon eine kurze Belichtungszeit , selbst mit Stativ und IS.Nicht wundern beim Stabi, ich knips mit einer Olympus E5 und 300 2,8 mit Telekonverter „1,4 oder 2fach“ da kann der Stabi an bleiben.

        Ich danke Dir für deine schnelle Antwort!

        Gruß Ralf

    5. Ulrich Roesch said

      Hallo Jan,
      erstmal „wow“ für die Wahnsinnsfotos.
      Meine Frage zum Blitz beim Tele: Wenn der Blitz auf der Kamera sitzt mit dem better beamer, das wäre wohl zu nah um rote Augen beim Blitz zu verhindern?
      Mit dem Arm geht wohl nur bei Wimberley?

      • JC said

        Danke 🙂

        Ja, auf der Kamera ist nicht ideal, zumal du dann auch nichts ins Hochformat schwenken kannst.

        Es gibt verschiedene Halterungen. Eine sitzt z.B. direkt auf der Platte am Stativfuß. Am idealsten ist die Sache aber schon von WImberley gelöst.

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