Nach der äußerst erfolgreichen Reise im Mai 2012, um den Goldschultersittich (Psephotus chrysopterygius) auf der Kap York Halbinsel zu fotografieren, schmiedete ich bereits auf dem Rückweg Pläne dieses Jahr den nahe Verwandten Hoodedsittich (Psephotus dissimilis) zu fotografieren. Wie Goldschultersittiche brüten auch Hoodedsittiche in Termitenbauten. Eine ausführliche Recherche ergab, dass es fast gar keine Informationen über den Hoodedsittich gibt und dass es auch fast keine Fotos dieser Art gibt. Wenn man mal ein Bild findet, sind die Vögel meist im Gras abgelichtet. So stand mein Ziel schnell fest: Ich wollte einen Hoodedsittich auf einem Termitenhügel fotografieren. Wie schwierig das werden würde, war mir damals allerdings noch nicht bewusst. Glaubt man der Literatur, so brüten Hoodedsittiche zwischen Januar und August! Das solch eine Zeitspanne nicht stimmen kann, war mir relativ schnell klar. Glücklicherweise kam ich mit einem Biologen in Kontakt, der die Sittiche einige Jahre studiert hatte und mir so sagen konnte, dass März eine ziemlich sichere Zeit ist, um Sittiche am Nest vorzufinden. Jedoch konnte auch er mir nichts genaues sagen, so entschied ich mich es darauf ankommen zu lassen und buchte einen Flug nach Darwin, Australien.

Neben dem Hoodedsittich, stand der Brownsittich (Platycercus venustus) ganz oben auf meiner Wunschliste. Der Brownsittich gehört zu den Rosellas und ist prächtig gefärbt.

Noch bevor ich nach gut 4-stündigem Flug gelandet war, gab es bereits die erste Aufregung. Anstatt zu langen, startete die Maschine kurz vor der Landebahn durch und kreiste für gut 20 Minuten, da ein Monsoonregenschauer alles überschwemmt hatte. Nach dieser kleinen Aufregung ging dann aber alles glatt und ich wurde von brütender Hitze und extrem schwüler Luft in Darwin begrüßt. Dieser Zwischenfall sollte nur den Anfang eines etwas holprigen Trips darstellen.

Den ersten Abend verbrachten mein Kumpel und ich in einer vorab gebuchten Hütte. Wir hatten ausdrücklich gesagt, dass wir zwei Personen sind, was den Vermieter aber nicht davon abzuhalten schien uns in eine Hütten mit einem einzigen extrem kleinen Doppelbett zu verfrachten!Da war spät abends nichts mehr ausrichten konnten, mussten wir beide leider in ungewohnter Seitenlage schlafen. Es war eine anstregende Nacht, denn wir versuchten einander nicht zu berühren und gleichzeitig nicht aus dem Bett zu fallen! Zudem hatte die Hütte auch einen merkwürdigen Mitbewohner im Klo. Zuerst dachten wir, das Frosch wäre ins Klo gefallen, jedoch schwamm er einfach in den Abfluss als wir uns näherten und kam später wieder hervor….

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Den nächsten Morgen verbrachten wir in einem Sumpfgebiet. Morgens um 6:30 hatte es bereits 33°C und 95% Luftfeuchtigkeit. Unsere Tele bedankten sich für dieses Wetter, indem sie sofort komplett beschlagen waren. Erst gründliches Anblasen mit der Autoheizung schaffte Abhilfe.

Begrüßt wurden wir von einigen Weißkehl-Monarchen (Myiagra inquieta), die auf den Seerosen herumtollten. Außerdem konnten wir auch einige prächtig gefärbte Sonnenastrilde (Neochmia phaeton) fotografieren. Alles in allem also ein ganz guter Start…

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Nun ging die Reise aber erst richtig los. Nach einem Telefonat mit einem Bekannten, der ein aktives Hoodedsittichnest gefunden hatte, welches auch noch direkt neben der Straße war, sank unsere Stimmung allerdings, denn er berichtete, dass eine Kuh das Nest zerstört hatte und der Termitenbau zerbrochen war. Mit deutlich gedämpfter Stimmung ging es dann Richtung Hoodedsittiche. Dort angekommen machten wir uns auf die Suche eine neues Nest zu finden. Zuerst fuhren wir bei dem zerstörten Nest vorbei. Man konnte sogar noch die Eier im Nest sehen, welches knapp über der Brutkammer zerbrochen war.

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Die Temperatur war inzwischen auf fast 40°C angestiegen und die Luftfeuchtigkeit lag immer noch bei über 80%. Hinzukamen nun noch Milliarden von Fliegen die nichts besseres zu tun hatten, als zu versuchen in meinem Gesicht platz zu nehmen!!! Nach einigen Stunden fanden wir tatsächlich ein weiteres aktives Nest. Wir beobachteten es für einige Zeit und mussten sehen, dass bei diesem Pärchen das Männchen keinen Schwanz hatte! Was für ein Pech!!! Das erste Nest zerstört, beim zweiten Nest hat der Vogel keinen Schwanz! Die Stimmung hatte einen neuen Tiefpunkt erreicht, aber ich wollte einfach nicht aufgeben. Ich war nicht diesen weiten Weg gereist, um ohne ein Foto nach Hause zu kommen.

Glücklicherweise schienen wir uns in einem Hot Spot zu befinden, denn nur ca 300m entfernt fanden wir ein weiteres Nest. Dieses war allerdings ziemlich hoch, so dass wir Bilder nur mit ein paar Tricks machen würden können. Wenigstens sah dieses Pärchen aber schön gefärbt und vollständig aus.

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Da nach kurzer Zeit ein Gewitter herbei zog, mussten wir ohne ein Foto zu unserer Unterkunft zurückkehren. Immerhin hatten wir nun aber etwas Hoffnung.

Den nächsten Morgen versteckten wir uns gut getarnt nahe dem Nest mit dem Pärchen ohne Schwanz, da dieses viel zugänglicher war. Wir hofften so wenigstens einige schöne Bilder von dem Weibchen machen zu können. Nach gut 3 stündigem Warten kam das Weibchen auch, jedoch schoss es sofort ins Nest ohne auf dem Nest Platz zu nehmen. So mussten wir wieder ohne ein einziges Foto zurückkehren und auf den Nachmittag hoffen.

Jenen verbrachten wir an dem Nest mit dem schönen Pärchen. Mit ein paar Tricks, Kniffen und überlegtem Handeln, schafften wir es auch eine gute Perspektive zu bekommen. Wir mussten wieder fast 3 Stunden und 40°C und umringt von Milliarden von Fliegen warten, aber dann kam das Männchen im letzten Abendlicht! So hatten wir endlich einige Bilder. Zwar noch etwas weiter weg, aber es war ein guter Start.

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Den nächsten Morgen verbrachten wir wieder beim ersten Nest und wieder mit dem gleichen Ergebnis! Das Weibchen schoss an uns vorbei und schlüpfte direkt ins Nest. So entschlossen wir uns es nicht weiter an diesem Nest zu versuchen, da es aussichtslos erschien.

Da das Licht noch gut war, entschlossen wir uns es auf Nymphensittiche (Nymphicus hollandicus) zu versuchen, die schon einige Zeit über unsere Köpfe hinweg flogen. Es war ein tolles Erlebnis diese agilen Sittiche in der freien Wildbahn zu sehen. Leider kennt man sie bei uns ja nur aus kleinen Käfigen. Selbst die zweite Art auf meiner Wunschliste, der Brownsittich flog über uns hinweg. Wir versuchten alles, jedoch blieben wir ohne Foto beider Arten……frustrierend….

Am Nachmittag zogen einige dicke Quellwolken auf so dass wir uns entschlossen früher zum Nest zu fahren. Wie sich später herausstellte war dies eine geniale Entscheidung. Wir kamen bereits gegen 15:30 an und kurze Zeit nach dem wir uns getarnt hatten, zog auch schon eine Wolke vor die Sonne. Nur einige Minuten später flog ein männlicher Hoodedsittich auf den Termitenbau und posierte für einige Zeit. ENDLICH hatten wir die Bilder, die wir wollten. Großer Dank gilt an dieser Stelle der netten Wolke, ohne die es nicht möglich gewesen wäre schöne Fotos zu machen, da das Licht viel zu hart gewesen wäre.

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Den darauffolgenden Morgen versuchten wir es nicht mehr auf Hoodedsittiche, sondern stellten dem Brownsittich nach, jedoch bekamen wir keinen einzigen zu Gesicht. Daher entschied ich mich es noch ein mal auf Nymphensittiche zu versuchen. Diesmal klappte es auch und ich konnte einige schöne Bilder machen. Mein Lieblingsbilder zeigt ein prächtiges Männchen. So hatte ich zwar nicht erwischt was ich wollte, aber der Nymphensittich war ein schönes Trostpflaster.

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Am Nachmittag versuchten wir es noch einmal auf Hoodedsittiche. Es war der heißeste Tag mit über 40° C und so schwitzten wir uns fast zu Tode. Leider blieben wir aber ohne ein weiteres Foto. Da der nächste Morgen unseren letzten Tag in dieser Gegend darstellte, wollte ich es unbedingt noch einmal auf Brownsittiche versuchen.

Gesagt getan, bereits im Dunkel bereitete ich alles vor, jedoch ließ sich wieder kein Brownsittich blicken, so dass ich mich entschied es wieder bei den Nymphensittichen zu versuchen. Dies sollte auch wieder belohnt werden und ich fotografierte noch einige weitere Exemplare. Als die Nymphensittiche weiterzogen, sah ich plötzlich zwei Brownsittiche vorbeifliegen!! So schnell ich konnte, lief ich zu meiner bereits vorbereiteten Stelle zurück und hoffte, dass die Bornwsittiche diesmal vorbeischauen würden. Ein Vogel kam auch sehr dicht, aber entschied sich dann doch wegzufliegen. Etwas deprimiert wollte ich schon aufgeben, als ich drei weitere Bronwsittiche ausmachen konnte! Einer der drei Vögel schien auch sehr interessiert und kam sofort an. In dem Moment, als er sich auf meinem Ansitz niederließ, wurde er jedoch von den zwei anderen Sittichen verscheucht. Es konnte es kaum fassen! Nach all den Strapazen sollte es nun etwa bei einem beinahe Foto bleiben!? Dies schien selbst dem Brownsittich zu hart und so kam er noch einmal vorbei und diesmal posierte er für mich. So hatte ich endlich die beiden Arten abgelichtet, wegen den ich die Reise auf mich genommen hatte!

Mit diesen Bildern beende ich Teil 1 meiner Reiseberichts.

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